Wankel-Gebäude

Ein außergewöhnliches Gebäude erinnert an einen außergewöhnlichen Menschen.

Fraunhoferstr. 10, 88131 Lindau

Ein Sonderling – so wird Felix Wankel (1902-1988) oft beschrieben. Der Motorennarr ohne Führerschein, der Nichtschwimmer, der Boote und Wasserski-Zuggeräte austüftelt, der Ingenieur ohne Abitur, der freimütig zu Protokoll gibt: „Bei den vier Grundrechenarten hört es bei mir auf.“

Ein Sonderling ist auch das Wankel-Gebäude von 1962, das heutige „Institut zur Kraftstoffverbrauchs- und Emissionsreduzierung“ der Audi AG. Direkt am See in einem Park eingebettet, wirkt das von Wankel selbst entworfene Haus auf den ersten Blick eher wie ein Bootshaus oder ein Strandcafé. Ist das nicht ein Aussichtsturm mit Fahnenmast? Nein, es ist offensichtlich ein Windmesser, der den Turm bekrönt. Aber wozu braucht ein Institut zur Optimierung von Motoren einen Windmesser? Und welchen Sinn hatte das rundum verglaste Turmzimmer? Es drängt sich die Vorstellung auf, Felix Wankel selbst habe von dort oben aus sein Institut gelenkt wie ein Kapitän auf der Brücke seines Schiffes. Diese Assoziation stützt die gesamte Architektur – maritimes weiß, abgerundeter Grundriss, Panoramafenster auf dem „Oberdeck“. Einen besonderen Farbakzent setzten die grünen Acrylglas-Markisen, die alle drei Stockwerke komplett umlaufen. Allerdings hält bei dem auch nach 60 Jahren noch futuristisch anmutenden Gebäude die Funktionalität offensichtlich nicht mit der Ästhetik Schritt: „Im Sommer wird es sehr heiß, im Winter saukalt“, lautet das Urteil des heutigen Institutsleiters.

Etwa 750 Meter weiter östlich, auf der anderen Seite des Zecher Campingplatzes, zeugt noch ein anderes Gebäude vom Wirken Felix Wankels: Das Tierheim verdankt seine Errichtung einer großzügigen Spende des großen Naturliebhabers, der auch den nach ihm benannten Tierschutz-Forschungspreis stiftete, der seit 1972 von der Uni München verliehen wird.

Lesetipps:

Marcus Popplow:
Felix Wankel. Mehr als ein Erfinderleben.
Sutton Verlag 2011

Der Spiegel 31/1961: Wankelmut (S. 22-32)