Villa Leuchtenberg

Das Refugium der Siefenkelin Napoléons ist frisch restauriert.

Eichwaldstraße 82, 88131 Lindau

Viel Freude hatte die Gräfin von Württemberg nicht mehr an ihrem Landsitz. 1857 starb Théodelinde Louise Eugénie Auguste Napoléone de Beauharnais kurz vor ihrem 43. Geburtstag – zwei Jahre nach Fertigstellung der Villa Leuchtenberg.

Théodelinde war eine Enkelin der französischen Kaiserin Joséphine. Ihr Vater entstammte deren erster Ehe. Kaiser Napoléon Bonaparte war also ihr Stiefgroßvater. Und Kaiser Napoleon III. war ihr Cousin. Ihr Großvater mütterlicherseits war König Max von Bayern, genauer Maximilian I. Maria Michael Johann Baptist Franz de Paula Joseph Kaspar Ignatius Nepomuk, König von Bayern etc. pp.

Und wie kommt das Anwesen zum Namen „Leuchtenberg“, eines kleinen Orts in der Oberpfalz? Das hat mit dem obigen „etc. pp.“ zu tun: Zu den Titeln der bayerischen Herrscher gehörte auch der des Landgrafen von Leuchtenberg. Max I. übertrug seinem Schwiegersohn, dem Vater Théodelindes, die Landgrafschaft und erhob ihn zum Herzog. Bis zu ihrer Heirat durfte sich Théodelinde somit Prinzessin von Leuchtenberg nennen.

Die Sommerresidenz der Gräfin geht auf ein altes Gutshaus zurück. Der Umbau erfolgte 1853 bis 1855 unter Beteiligung des Architekten Carl Alexander von Heideloff. Ferner werden Eduard Rüber, der Schöpfer des Leuchtturms an der Lindauer Hafeneinfahrt, und Anton Harrer als mögliche Baumeister genannt.

Dem Zeitgeschmack in der Übergangsphase vom Klassizismus zum Historismus entsprechend präsentiert sich das Gebäude in einem bunten Stilmix: Klassizistische Grundformen werden mit Elementen der Neugotik, des mittelalterlichen Festungsbaus und des orientalischen Stils angereichert. Das dreieinhalbgeschossige Haupthaus wird von zwei doppelgeschossigen Seitenflügeln flankiert, jeweils bekrönt von einem festungsartigen Türmchen.

Ein Hauch Exotik hat auch im Inneren die Zeiten überdauert: Zimmer im maurischen und im pompejianischen Stil zeugen von der Antiken- und Orientbegeisterung des 19. Jahrhunderts – wobei unklar ist, ob die Inneneinrichtung tatsächlich auf die Gräfin von Württemberg zurückgeht oder eine „bürgerliche“ Zutat darstellt. 1886 veräußerte die Tochter der Erbauerin die Residenz an den Textilfabrikanten Samuel Wilhelm Schindler, der sie seinem Sohn Cosmus schenkte. Dessen Bruder Friedrich Wilhelm Schindler machte als „Elektro-Pionier“ in Vorarlberg Furore und sorgte dafür, dass die Villa seines Bruders als erstes Gebäude Süddeutschlands eine Elektrizitätsversorgung erhielt.

Im Zuge einer umfassenden Sanierung von 2006 bis 2008 wurde auch der 10.000 Quadratmeter umfassende Park direkt am Ufer des Bodensees nach historischen Befunden rekonstruiert.

Lesetipp:

Lucrezia Hartmann, Maria Weininger:
„Schau an der schönen Gärten Zier“. Historische Gartenanlagen und Villen in Lindau.
Lindau: Historischer Verein 2010