Soziale Stadt

,,Zech — ein Stadtteil bekommt ein neues Gesicht“

Der Stadtteil Lindau-Zech ist ein lebendiger Stadtteil, dessen vielfältiges Erscheinungsbild durch den Einsatz und das Engagement vieler unterschiedlicher Institutionen und Menschen geformt und geprägt wird. Das war nicht immer so.

Als sich die Stadt Lindau im Herbst 2000 für das Bund-Länder-Städtebauförderungsprogramm „Stadt- und Ortsteile mit besonderem Entwicklungsbedarf – die Soziale Stadt“ bewarb, war die besondere soziale Struktur im Stadtteil ausschlaggebend: ein hoher Anteil an sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen in Verbindung mit einem schlechten baulichen Zustand der Mietwohnungen.

Diese Situation führte zu einer Stigmatisierung des Stadtteils, verbunden mit einem verstärkten Wegzug junger deutscher Familien. Zugezogene, überwiegend ausländische Familien mit nur geringen Wahlmöglichkeiten auf dem Wohnungsmarkt standen älteren, meist „alteingesessenen“ Bewohnern mit starker Verbundenheit mit dem Stadtteil gegenüber.

Veränderung — gemeinsam mit der Bevölkerung

Schon von Beginn an beteiligte die Stadt die Bewohner am Veränderungsprozess. Die Pläne wurden den Bürgern vorgestellt und in einer anschließenden Befragung vor Ort konkretisiert.
Ein wissenschaftlich erarbeitetes „Integrierten Handlungskonzept“ legte folgende Handlungsschwerpunkte fest: Neubau für junge Familien, Wohnen im Alter, Angebote für Kinder und Jugendliche, Schule und Integration.

Weil die Zecher den Veränderungsprozess aktiv mitgestalten sollten, gründete die Stadt Lindau (B) mit einigen engagierten Bewohnern den Zecher Bürgerrat, der ein wichtiges Element der Beteiligung der Bürgerschaft darstellt. Das Zusammenspiel von Bürgern, örtlichen Vereinen und öffentlichen Einrichtungen, wie etwa die Schule, die Kirchen und die Sozialstation oder der ortsansässigen Unternehmen hat einen entscheidenden Anteil am Gelingen des angestrebten Wandels.

Schule – ein Ort der Begegnung

Ein Meilenstein auf dem Weg zu einer neuen Gemeinschaft war 2007 die Öffnung der Grundschule und der Einzug des Stadtteiltreffs „Treffpunkt Zech“ in Teile des Schulgebäudes.
Aus ehemaligen Klassenzimmern entstanden ein großer Speisesaal mit einer gut ausgestatteten Küche, ein Computerraum, eine Kinderbücherei, Büros und ein Schulungsraum.

Als neuestes Bauprojekt im Rahmen des Programms Soziale Stadt konnte im Januar 2010 die zur Mehrzweckhalle umgebaute Turnhalle unter großer Bürgerbeteiligung eröffnet werden. Hier soll neben der Schule und den Sportvereinen auch die Zecher Bürgerschaft Veranstaltungen durchführen können.

Von Beginn an arbeiteten der Treffpunkt Zech und die Schule bei der nachmittäglichen Hausaufgabenbetreuung zusammen. Durch die räumliche Nähe konnte die Zusammenarbeit noch intensiver gestaltet werden. Immer wieder entstehen im regelmäßigen Austausch von Lehrern und dem Treffpunkt-Team neue Aufgaben und Projekte. „Für uns eröffnen die Nähe zum und die Zusammenarbeit mit dem Treffpunkt zusätzliche unkomplizierte Möglichkeiten“, so die Erklärung einer Grundschullehrerin.

Mit neuen Partnern neue Wege gehen

Aber nicht nur öffentliche Einrichtungen, auch die umliegenden Unternehmen und Vereine beteiligen sich aktiv am Wandel des Stadtteils. Die Unternehmen stellen ihre Lehrwerkstätten für Qualifizierungsprojekte von Jugendlichen zur Verfügung, sie spenden Material und manche Projekte wurden sogar in den Unternehmen gemeinsam mit Ausbildern und Auszubildenden durchgeführt. Auch Schulungscomputer und das Material für die Außenanlagen im Treffpunkt sind Spenden von Unternehmen.

Bauliche Aufwertung – eine Säule der Veränderung

Dass zu einem veränderten Erscheinungsbild auch ein verändertes Äußeres gehört, ist augenfällig. Deshalb ist die bauliche Aufwertung des Stadtteiles eine der tragenden Säulen  des Prozesses.

Vorrangiger Handlungsbedarf bestand in der Dorniersiedlung, einem kleinen Gebiet mit Doppelhausbebauung aus den 30er Jahren. Eine Sanierung dieser Gebäude war wegen der schlechten Bausubstanz und der zu kleinen Wohnungen nicht möglich. In Anlehnung an die alte Struktur entwickelten die Stadt Lindau und die GWG Lindauer Wohnungsgesellschaft ein neues Bebauungskonzept mit größeren Grundrissen und verbesserter Belichtung der Räume. Die Neubebauung erstreckte sich über einen längeren Zeitraum. Freiwerdende Gebäude wurden nicht mehr belegt, leerstehende wurden abgerissen. Inzwischen ist ein Großteil der Neubauten fertiggestellt und die Häuser sind bezogen.

Weitere interessante Projekte wie der Bau von „Singles-Starterhäusern“, einem speziellen Wohnangebot für junge Menschen, über einer bestehenden Garagenanlage oder den „Wachsenden Häusern“ entlang der Leiblach, die dem Bedarf einer wachsenden Familie angepasst werden können, schlossen sich an. Auch die zahlreichen Umbauten und Modernisierungen der größeren mehrgeschossigen Wohneinheiten in Zech trugen zur neuen Atmosphäre im Stadtteil bei.

Die Stadt Lindau hat in Zusammenarbeit mit der GWG Lindauer Wohnungsgesellschaft und  den Zecher Bürgern sowie mit Hilfe des Programms „Soziale Stadt“ erreicht, dass heute Zech auch wieder für solche Bevölkerungsschichten attraktiv ist, die noch vor einigen Jahren weggezogen sind. Über den Soziale-Stadt-Prozess wurde überdies bewirkt, dass sich auch die Migranten mit ihrem Stadtteil sehr stark identifizieren.

Lindau (B), im März 2012

Petra Schönherr

Projektleiterin Soziale Stadt